Achtsamkeit & Selbstmitgefühl im Kontext von Ketaminbehandlungen

Achtsamkeit & Selbstmitgefühl im Kontext von Ketaminbehandlungen: Ein vierwöchiges Trainingsprogramm

Ketamininduzierte Erfahrungen können mit deutlichen vorübergehenden Veränderungen von Wahrnehmung, Gefühlen und Selbsterleben einhergehen. Manche Menschen erleben dabei mehr Abstand zu belastenden Gedanken, neue Perspektiven, Offenheit oder Verbundenheit, während andere Erfahrungen ungewohnt, intensiv oder schwer einzuordnen sein können.

Achtsamkeit und Selbstmitgefühl können dabei unterstützen, solchen Erfahrungen mit mehr Bewusstheit, Offenheit und innerer Orientierung zu begegnen. Während Achtsamkeit einen flexibleren Umgang mit dem eigenen Erleben fördert, richtet Selbstmitgefühl den Blick darauf, wie wir uns selbst in diesem Erleben begegnen. Beide Fähigkeiten lassen sich unabhängig von einer Ketaminerfahrung üben und im Alltag weiterentwickeln.

Das vierwöchige Trainingsprogramm greift diese Möglichkeiten auf und vermittelt grundlegende Achtsamkeits- und Selbstmitgefühlsfähigkeiten für den Umgang mit inneren Erfahrungen. Dabei verbindet es bewährte Ansätze aus Achtsamkeits- und Selbstmitgefühls-training mit neueren Erkenntnissen aus der Ketamin- und Psychedelikaforschung.

Warum Achtsamkeit und Ketamin?

In den vergangenen Jahren ist ein wachsendes Forschungs- und Anwendungsfeld an der Schnittstelle von Achtsamkeit und ketamingestützter Behandlung entstanden. Im Zentrum stehen dabei unter anderem transdiagnostische psychologische Prozesse und Fähigkeiten, die über verschiedene Formen psychischer Belastung hinweg relevant sein können:

  • Metakognitives Gewahrsein und Dezentrierung: Gedanken und Gefühle bewusster wahrnehmen und als vorübergehende innere Erfahrungen erkennen, ohne sich unmittelbar mit ihnen zu identifizieren.
  • Erfahrungsoffenheit und Akzeptanz: ein offenerer Umgang mit schwierigen oder ungewohnten Erfahrungen, mit weniger automatischer Abwehr und größerer Flexibilität.
  • Selbstmitgefühl: eine verständnisvolle und unterstützende Haltung sich selbst gegenüber, gerade in Momenten von Angst, Selbstkritik, Scham oder Verletzlichkeit.
  • Veränderungen des Selbstbezugs: ein bewussterer Blick darauf, wie Gedanken und Geschichten über uns selbst unsere Erfahrung prägen und wie sich gewohnte Perspektiven verändern können.

Achtsamkeit und Ketamin: Skills → State → Skills

Achtsamkeitspraxis und Ketaminerfahrungen können auf unterschiedliche Weise mit diesen Prozessen in Berührung kommen: Während durch Achtsamkeitspraxis entsprechende Fähigkeiten systematisch eingeübt werden, können bestimmte Erfahrungsqualitäten unter Ketamin vorübergehend zugänglich werden.

Skills → State: Bereits erlernte Fähigkeiten – etwa die Aufmerksamkeit bewusst auszurichten, sich zu orientieren oder schwierigen Erfahrungen mit mehr Offenheit und Selbstmitgefühl zu begegnen – können auch im Umgang mit veränderten Bewusstseinszuständen hilfreich sein.

State → Skills: Umgekehrt können Ketaminerfahrungen vorübergehend Qualitäten wie Abstand zu gewohnten Gedankenmustern, Offenheit, Nicht-Reaktivität oder Verbundenheit zugänglich machen. Durch wiederholte Praxis können solche Erfahrungen aufgegriffen und entsprechende Fähigkeiten zunehmend auch im Alltag verfügbar gemacht werden.

Die vier Module

  • Modul 1: Gewahrsein & Orientierung
    Wir lernen unterschiedliche Zugänge zur Achtsamkeit kennen, erkunden innere und äußere Aufmerksamkeitsanker und üben, Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen bewusster wahrzunehmen. Ein Schwerpunkt liegt darauf, inneres Erleben mit etwas mehr Abstand wahrzunehmen sowie Möglichkeiten der Orientierung und Selbstregulation kennenzulernen.

  • Modul 2: Offenheit & Akzeptanz
    Wir erforschen den Umgang mit angenehmen, unangenehmen und neutralen Erfahrungen. Dabei geht es darum, Muster automatischer Reaktivität und des Widerstands zu erkennen und Möglichkeiten von Akzeptanz, Zulassen und Loslassen zu erkunden.

  • Modul 3: Selbstmitgefühl & innerer Halt
    Selbstmitgefühl ergänzt Achtsamkeit um eine fürsorgliche Beziehung zu uns selbst. Wir beschäftigen uns mit Selbstkritik, Scham und Verletzlichkeit und erproben Möglichkeiten, uns in schwierigen Momenten verständnisvoll, beruhigend und unterstützend zu begegnen.

  • Modul 4: Das Gute aufnehmen & Alltagstransfer
    Wir richten die Aufmerksamkeit bewusst auf hilfreiche und nährende Erfahrungen und erkunden, wie diese vertieft und zunehmend verfügbar gemacht werden können. Zum Abschluss geht es darum, Achtsamkeit und Selbstmitgefühl über den Kurs hinaus weiter zu praktizieren und im Alltag zu verankern.

Wie arbeiten wir?

Das Training ist erfahrungsorientiert, partizipativ sowie trauma- und nervensystemsensitiv gestaltet. Jeder Abend verbindet kurze Impulsvorträge mit angeleiteten Achtsamkeits- und Selbstmitgefühlsübungen und dem gemeinsamen achtsamen Erkunden der Übungserfahrungen (Inquiry). Zwischen den Treffen unterstützen kurze Audioübungen die eigene Praxis und ermöglichen, das Gelernte im Alltag weiter zu erproben.

Das Angebot ist ein psychoedukatives Achtsamkeits- und Selbstmitgefühlstraining und ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung.

Für wen?

  • Menschen, die sich auf eine medizinisch begleitete Ketaminbehandlung vorbereiten;
  • Patient:innen, die bereits Erfahrungen mit Ketamin gesammelt haben;
  • Fachpersonen aus Medizin, Psychologie und angrenzenden Arbeitsfeldern;
  • Menschen mit oder ohne eigene Ketaminerfahrung mit Interesse an der Schnittstelle von Achtsamkeit und veränderten Bewusstseinszuständen.

Termine & Anmeldung

  • Termin: Mittwoch, 4. November bis 25. November 2026, 18:30–20:30 Uhr
  • Ort: Zentrum für Augmentierte Therapie, Schmalzhofgasse 4/DG, 1060 Wien
  • Kosten: € 260
  • Gruppengröße: 6–12 Personen
  • Anmeldeschluss: 28. Oktober 2026
  • Anmeldung: www.augmentierte-therapie.at ; office@dennis-johnson.com

Kursleitung

Mag. Dennis Johnson ist zertifizierter Lehrer für Stressbewältigung durch Achtsamkeit (MBSR) und Achtsames Selbstmitgefühl (MSC) sowie psychosozialer Begleiter bei der Windhorse Gesellschaft Wien. Er studierte Tibetologie und Buddhismuskunde an der Universität Wien und verfügt über langjährige Erfahrung in der Vermittlung achtsamkeits- und mitgefühlsbasierter Ansätze. Ein Schwerpunkt seiner aktuellen Arbeit liegt an der Schnittstelle von kontemplativer Praxis, psychologischen Veränderungsprozessen und veränderten Bewusstseinszuständen.